029. Weibel, Peter

  • Titel:
    Selbstreflexive Musik
  • Entstehungsjahr:
    1966
  • Technik:
    Collage auf Notenpapier
  • Format:
    29,5 x 21 cm; Unikat
  • Signatur:
    unten signiert und datiert
  • Rahmen:
    gerahmt
  • Weihnachtspreis:
    950,-

Peter Weibel (* 5. März 1944 in Odessa, Ukrainische SSR) ist österreichischer Künstler, Ausstellungskurator, Kunst- und Medientheoretiker.

Peter Weibel verbrachte seine Kindheit und Schulzeit in einem Heim in einer oberösterreichischen Kleinstadt. Nach der Schule studierte er zunächst für ein Jahr in Paris Französisch, Film und Komparatistik, begann 1964 in Wien zunächst ein Studium der Medizin und wechselte dann zur Mathematik mit dem Schwerpunkt Logik, welches er jedoch nicht abgeschlossen hat.

Sein Werk lässt sich in Kategorien der Konzeptkunst, der Performance, des Experimentalfilms, der Videokunst, Computerkunst und allgemein der Medienkunst fassen.

Ausgehend von semiotischen und linguistischen Überlegungen (John Langshaw Austin, Roman Ossipowitsch Jakobson, Charles S. Peirce, Ludwig Wittgenstein u. a.) entwickelt Peter Weibel eine künstlerische Sprache, die ihn ab 1965 von der experimentellen Literatur zur Performance führt. In seinen performativen Aktionen untersucht er nicht nur die „Medien“ Sprache und Körper, sondern auch Film, Video, Tonband und interaktive elektronische Umgebungen. Kritisch analysiert er ihre Funktion für die Konstruktion von Wirklichkeit. Neben Aktionen mit Vertretern des Wiener Aktionismus arbeitet er ab 1967 (zusammen mit Valie Export, Ernst Schmidt jr. und Hans Scheugl) an einem „erweiterten Kino“. Es ist durch das amerikanische Expanded Cinema inspiriert und reflektiert die ideologischen und technischen Bedingungen der filmischen Darstellung. Peter Weibel entwickelte diese Überlegungen ab 1969 konsequent in seinen Videobändern sowie -installationen weiter. Mit seinen Fernsehaktionen, den teleaktionen, die das Österreichische Fernsehen (ORF) 1972 im Rahmen der Sendung Impulse ausstrahlte, überschritt er die Grenzen des Galerieraumes und untersuchte die Videotechnik in ihrer Anwendung im Massenmedium Fernsehen.

Am 7. Juni 1968 nahm Weibel an der Aktion „Kunst und Revolution“ in einem Hörsaal der Universität Wien teil, wo er mit einem brennenden Handschuh einen Vortrag (Schimpftirade) gegen die damalige Regierung hielt. Der Vortrag trug den Titel Was tun?, in Anlehnung an die berühmte Lenin-Schrift Was tun?. Die Aktion war einer der Höhepunkte der Studentenbewegung 1968 in Österreich.

Peter Weibel verfolgt seine künstlerischen Problemstellungen in unterschiedlichsten Materialien, Formen und Techniken: in Texten, Skulpturen, Installationen, Filmen und Videos. So wandte er sich 1978 auch der Musik zu. Er gründete zusammen mit Loys Egg die Band „Hotel Morphila Orchester“. Mitte der 1980er Jahre erforschte er die Möglichkeiten der computergestütztenBearbeitung von Video. Anfang der 1990er Jahre realisierte er erste interaktive computerbasierte Installationen, mit denen er das Verhältnis von Medien und Wirklichkeitskonstruktion thematisierte.

In seinen zahlreichen Vorträgen und Artikeln publiziert Weibel über zeitgenössische Kunst, Mediengeschichte, Medientheorie, Film, Videokunst und Philosophie. Als Theoretiker und Kurator setzt er sich für eine Kunst und eine Kunstgeschichtsschreibung ein, die Technikgeschichte und Wissenschaftsgeschichte berücksichtigt. In seiner Funktion als Lehrer an Universitäten und langjähriger Leiter von Institutionen wie der Ars Electronica, Linz, dem Institut für Neue Medien in Frankfurt am Main, und dem Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) Karlsruhe beeinflusst er besonders die europäische Szene der sogenannten Computerkunst durch Konferenzen, Ausstellungen und Publikationen.

Peter Weibel leitet seit Januar 1999 das Zentrum für Kunst und Medien in Karlsruhe.

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