ROHRAUER Claudia – 63

  • Titel:
    rockweed, stranded
  • Entstehungsjahr:
    2015
  • Technik:
    Fotogramm, Transferbuchstaben/ Unikat
  • Format:
    37,5 x 48 cm
  • Signatur:
    signiert
  • Rahmen:
    gerahmt
  • Rufpreis:
    € 650 (exkl. Rahmenpreis)

geb. 1984 in Wien
claudiarohrauer.info

Die Technik des Photogramms, bei der ein beliebiger Gegenstand in der Positivdunkelkammer direkt auf das Fotopapier gelegt und dieses belichtet wird, findet in dieser Serie Einsatz um ein, auf einer norwegischen Insel aufgefundenes, angespültes Stück Seegras (ugs. auch rockweed genannt) visuell zu untersuchen. Die Metapher des Gestrandetseins fungiert als narrative Klammer, um jene Bedeutungsverschiebungen herauszufordern, die geschehen wenn ein Gegenstand aus seiner natürlichen Umgebung entfernt wird und in ein anderes System, in diesem Fall jenes der Ästhetik wissenschaftlicher Bildsprache und der Definition mittels Sprache, eingesetzt wird. Vor diesem konzeptuellen Gedanken strandet das Seegras auf dem Fotopapier auf ähnliche Weise, wie es auch schon zuvor an den Küstenfelsen der Insel Sula gestrandet war, wo es gefunden wurde. Die Barytprints dokumentieren jenes Stranden und die damit verbundenen Verschiebungen.

Die Reduktion auf reines Schwarz und Weiß erwirkt ein Hervortreten und eine Fixierung der Form, gleichzeitig versinkt der ursprüngliche Gegenstand in der papierenen Oberfläche des Barytprints. Innerhalb der Logik der Serie bzw. des Seriellen entsteht aber ebenso eine Form von Animation, die dem Betrachter potentielle formale Alterationen oder Zustände und einen möglichen Bewegungsablauf vorschlägt und somit den Modus des Fixierens und Festhaltens – also den Hoffnungsmoment des Fotografischen – unterläuft. Durch die Re-animation der De-animation wird das Untersuchungsobjekt zum untersuchten Subjekt und löst sich von der statischen Form hin zu einem temporären Zustand, der sich in der Imagination der Betrachterinnen jederzeit ändern kann.

Ein Pendeln zwischen den konkreten und abstrakten Momenten der fotografischen Abbildung, ein Pendeln zwischen Sein und Werden.

Claudia Rohrauer, 2016:
Wenn Sie mich fragten, in welche Kategorie ich meine künstlerische Arbeit einordnen würde, dann wäre meine Antwort: in der Grauzone zwischen erweiterter Fotografie und fotografischer Forschung. Es handelt sich um eine konzeptuelle, analytische, aber auch humorvolle Beschäftigung mit der Fotografie als Medium des Erfassens und des Begreifens, als Werkzeug zum Erkenntnisgewinn.

Im Speziellen sind dabei das imaginative Potential, das in fotografischen Bildern enthalten ist, und das Repräsentationsdilemma, welches die Fotografie seit ihrer Erfindung begleitet, von Bedeutung für die Entwicklung meiner Arbeiten. Die Grundspannung, die zwischen diesen beiden entgegengesetzten Polen entsteht – zum Beispiel zwischen Dokumentation und Fiktion oder Objektivität und Subjektivität – und der Fotografie eine seltsame Ungreifbarkeit verleiht, versuche ich in meinen Arbeiten sichtbar zu machen und somit das Wesen der Fotografie an die Oberfläche zu holen. Die Reflexion des Mediums passiert aus der angewandten Praxis heraus sowie durch die Beobachtung meiner Arbeitsprozesse. Die Fotografien, die ich im Rahmen meiner fiktiven Forschungsprozesse produziere, sind als Arbeitsmaterialien zu verstehen, die im Laufe dieser Vorgehensweise einer visuellen, medienreflexiven sowie poetischen Analyse unterzogen werden, was ich mit dem Begriff processing (deutsch: verarbeiten) umschreiben möchte.

Neben der Fotografie selbst ist für mich auch die sprachliche Auseinandersetz- ung mit dem Medium zu einem Werkzeug geworden, um Aspekte des Fotografischen zu untersuchen und deren mögliche Zustände festzuhalten (ähnlich dem Wechsel eines Elements zwischen seinen möglichen Aggregatzuständen). Das Schreiben funktioniert dabei wie eine Annäherung über die Entfernung – es schafft eine produktive Distanz und eröffnet einen Freiraum für ein erweitertes Verständnis des Mediums abseits der klassischen Diskurse. Die Endresultate können in Einzelbildern, Serien oder in Buchform, installativ, filmisch oder objekthaft ausfallen. Dabei folge ich keinen vordefinierten Regeln, sondern versuche aus dem Arbeitsprozess formale Konsequenzen zu ziehen.

 

/// education

2006 – 2012
diploma studies of Fine Arts at the Academy of fine arts Vienna
Art & Photography, Visual Art Narrative, Video & Videoinstallation
2010 Kuvataideakatemia Helsinki, Finland / Department for Time & Space

2005 – 2006
Schule für künstlerische Photographie Wien, Friedl Kubelka

1998 – 2003
Höhere Grafische BLVA Wien / Department for Photography and audiovisual Media
/// exhibitions, screenings

2016
unframed – Gruppenausstellung / Galerie Raum mit Licht, Wien
AWAY – a project around residencies / ehem. k.u.k. Post- u. Telegraphenamt, Wien
Neulich im Labor – Ausstellungsprojekt in Zusammenarbeit mit Ruth Horak / Wandzeitung #35, Atelier Steinbrener/Dempf & Huber, Wien
Mission to Mars – Gruppenausstellung / flat1, Wien
PARALLEL Vienna – special exhibition PHOTOGRAPHY curated by Elfie Semotan & Stefan Bidner / Alte Post Wien
Projektion: Fotografische Behauptungen / Darmstädter Tage der Fotografie, Haus Olbrich, Darmstadt
Expected Encounters / EIKON Schaufenster, MQ Wien (solo)

2015
PRIVATE STUDIO / SIZE MATTERS. Raum für Kunst und Film
première vue / level_41, Hotel Altstadt Wien
SMALL / Kunstraum SUPER Wien
Handapparat der Neugierde (member show) / Galerie IG bildende Kunst Wien
BILD & TEXT II: Symbiose (section of selected artist books) / Fotogalerie Wien
PHOTO TREKKING @ Salon IG (lecture and discussion) / IG bildende Kunst Wien

2014
N (categorized by impression) / one work gallery Wien, Monat der Fotografie Wien
Im Auge des Betrachters / Malzgasse 12A Wien, Monat der Fotografie Wien
NO SHOW – Screening at the exhibition LOST! / Microscope Gallery, New York

2013
Für die Fülle / Jahresausstellung Salzburger Kunstverein
Ajatuksia luonnon erikoilaisuuksista_thoughts on different kinds of nature / Kolin Ryynänen, Finnland

2012
Birds and others / Fotowerk Wien, Monat der Fotografie Wien
SCOOP Revival / Ragnarhof Wien
Exkursion:Kino / mumok Kino, mumok Wien
11/12 / graduation exhibition, Akademie der bildenden Künste Wien
Something about watching (BIRDS) / diploma exhibition, Akademie der bildenden Künste Wien
Adrift / chambre d’amis, Akademie der bildenden Künste Wien

2010
unORTung VI / ehem. Kartografisches Institut Wien
like an exchange students exhibition / kaiku galeria, Helsinki

2009
fullframefestival – Filme ans Firnament / Planetarium Wien
SWAN HOTEL (sunday afternoon in the park with silk stockings) / MASC-Foundation Wien

2008
PIGALLE / grundsteinsieben, Wien
performance pool II / brut im Konzerthaus, Wien
Arbeitswelten / Arbeiterkammer, Wien

2007
Body talk / Fotogalerie Wien

2006
fotos / weinhauerhaus[Kunst], Gumpoldskirchen
Zu viel, zu breit, zu wenig / Galerie Denkraum, Wien
/// grants, publications, A-I-R, etc.

2017
Artist-In-Residence Mustarinda, Finland

2016
Top 10 portfolios EYES ON portfolio review
Mentee for art photography, mentoring program 2016 Federal chancellery of Austria, department for art & culture

2015
START – grant for art photography 2015, Federal chancellery of Austria, department for art & culture
Artist-In-Residence MUSTARINDA, Finland

2014
3-month sholarship for the photo studio in New York, Austrian ministry of art & culture

2013
Artist-In-Residence Kolin Ryynänen, Finland
research travel PHOTO FAMILY Paris – London – Bradford – Gothenburg, april-may 2013

2012
working grant, Austrian ministry for science & research
contribution in “Kartographisches Denken”, Hg. Christian Reder, Springer Verlag Wien

Related Entries
© Copyright 1993 – 2018: Asyl in Not – Unterstützungskomitee für politisch verfolgte AusländerInnen.