RAINER Arnulf – 59

  • Titel:
    Traumland (Viktor Hugo)
  • Entstehungsjahr:
    1998/99
  • Technik:
    Mischtechnik auf Laserdruck, Unikat
  • Format:
    42 x 29,5 cm
  • Signatur:
    vorne und rückseitig signiert
  • Rahmen:
    extra
  • Rufpreis:
    € 3.500
  • Aus der Serie:
    Traumland (Viktor Hugo)

Arnulf Rainer
geb. 1929 in Baden
arnulf-rainer-museum.at

Die kunsthistorische Bedeutung des 1929 in Baden geborenen Arnulf Rainers ist unwiderruflich. Er gilt als Begründer des Informel in Österreich; die in den 1950er Jahren entwickelten ‚Übermalungen‘ machen ihn weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt und im internationalen Kollegenkreis berühmt.

Seine intensive Suche nach neuen Wegen der Malerei und die stetige Entwicklung neuer künstlerischer Strategien, begleitet von performativen Arbeiten und umfangreichen Schriften, lassen Arnulf Rainer zu einem der einflussreichsten lebenden Künstler der Gegenwart werden.

1981-2015
Arnulf Rainer wird 1981 zum Professor an der Akademie der bildenden Künste in Wien und Mitglied der Akademie der Künste in Berlin ernannt. Unbekannte Täter zerstören 1994 im Atelier von Rainer in der Akademie der bildenden Künste in Wien 26 Gemälde, woraufhin Rainer 1995 auf eigenen Wunsch emeritiert.

Mehrere große Retrospektiven deuten auf die wachsende internationale Bedeutung Arnulf Rainers hin: 1984 im Musée National d’Art moderne /Centre Georges Pompidou in Paris, 1989 im Solomon R. Guggenheim Museum in New York, 2000 – anlässlich des 70. Geburtstags – im Stedelijk Museum in Amsterdam und im Kunstforum Wien.

Diverse Auszeichnungen und Ehrungen unterstreichen diesen Status: Die Pinakothek der Moderne in München widmet Rainer 2002 einen eigenen Raum, in dem einige seiner Werke permanent gezeigt werden. Im darauf folgenden Jahr erhält er den Rhenus-Kunstpreis für sein Gesamtwerk und 2004 verleiht ihm die katholische Fakultät der Universität Münster den Ehrendoktortitel. 2006 erhält er das Ehrendoktorat der Theologie von der Kath.-Theol. Privatuniversität Linz sowie als erster nicht spanischer Künstler den Aragón-Goya Preis für sein Lebenswerk.
Im September 2009 wird das Arnulf Rainer Museum im Frauenbad in Baden bei Wien mit der Ausstellung „Aller Anfang ist schwer. Frühe Arbeiten 1949 – 1961“ eröffnet.

Im April 2015 wird Arnulf Rainer von Kulturminister Josef Ostermayer das “Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse” verliehen.

1971-1980
Der Kunstverein Hamburg widmet Arnulf Rainer 1971 die erste große Retrospektive in Deutschland. Im selben Jahr ist er auch auf der 11. Biennale von Sao Paulo vertreten, und nimmt an der Documenta 5 (1972) und 6 (1977) und 7 (1982) teil. 1974 wird er mit dem Kunstpreis der Stadt Wien ausgezeichnet, verweigert jedoch die Teilnahme an der Übergabe-Zeremonie, was zur Aberkennung des Preises führt.

1978 vertritt er Österreich auf der Biennale von Venedig und erhält im selben Jahr den grossen Österreichischen Staatspreis „in Würdigung seines Schaffens auf dem Gebiete der bildenden Kunst“.

Er erweitert seine künstlerische Technik durch die Medien Video und Film und übernimmt Sequenezn aus diesen Filmen dann auch als Grundlage für seine Photoüberarbeitungen. Ebenso beginnt er an „gestischen Handmalereien“, und später an „Finger- und Fußmalereien“ zu arbeiten. Hier beginnt auch seine jahrelange Zusammenarbeit mit Dieter Roth: Misch- und Trennkunst.

Ende der 1970er Jahre lässt Arnulf Rainer Grimassenphotos mit und ohne Gesichtsbemalung anfertigen, die er dann wiederum be- und übermalt. Er schafft somit eine Art Mischform zwischen dem schauspielerischen und dem graphischen Ausdrucksmedium und nähert sich insofern den Wiener Aktionisten Hermann Nitsch, Günter Brus, Otto Mühl und Rudolf Schwarzkogler an, ohne jedoch deren Gruppierung anzugehören. Zahlreiche Serien von überarbeiteten Grimassenphotos entstehen in dieser Phase, die sogenanten „Face Farces“.

1961-1970
Mitte der 1960er Jahre startet Arnulf Rainer seine Experimente unter Drogen- und Alkoholrausch zu zeichnen. Durch die Drogen sowie seine intensive Beschäftigung mit der Malerei von Geisteskranken angeregt, entwickelt er eine halluzinative, fast frenetische Arbeitsweise und greift dabei unbewusst auf seine eigenen figurativen, surrealistischen Anfänge zurück, wobei die Erfahrungen der Übermalungen sichtbar bleiben.

1966 erhält Arnulf Rainer den österreichischen Staatspreis für Graphik und das Museum des 20. Jahrhundert organisiert 1968 eine erste große Retrospektive seiner Arbeiten.

In dieser Zeit fertigt Arnulf Rainer Grimassenphotos mit und ohne Gesichtsbemalung (entweder im Fotoautomanten oder durch einen Fotographen) anfertigen, die er dann wiederum be- und übermalt. Die Grimassierungen und Verhaltensweisen Geisteskranker, mit denen er sich intensiv auseinandersetzt, stellen dabei für Rainer ein reiches Potential von Ausdrucksmöglichkeiten dar. Er schreibt: „Die Gesichter, die ich früher zeichnete, hatten alle unmögliche Falten, falsche Furchen, erfundene Akzentuierungen. Sie fehlten mir auf den Photos. Als ich sie auf die Wangen pinselte, und damit spazieren ging, fühlte ich mich als neuer Mensch (…). Erst als ich begann, die Photos meiner mimischen Farcen zeichnerisch zu überarbeiten, entdeckte ich Überraschendes: Lauter neue, unbekannte Menschen, die in mir lauerten, die aber meine Muskeln alleine nicht formulieren konnten.“ (Arnulf Rainer, Hirndrang. Hrsg. von Otto Breicha, Verlag Galerie Welz Salzburg 1980, S. 106).

Rainer schafft somit eine Art Mischform zwischen dem schauspielerischen und dem graphischen Ausdrucksmedium und nähert sich insofern den Wiener Aktionisten Hermann Nitsch, Günter Brus, Otto Mühl und Rudolf Schwarzkogler an, ohne jedoch deren Gruppierung je anzugehören. Rainer beschreibt den divergierenden künstlerischen Ansatz wie folgt: „ …die Aktionisten (…) haben versucht, Inhalte, die latent vorhanden waren, in einer Sprache des Theatralischen und durch gewisse Abläufe zu explizieren. Wobei aber die Körperhaltung und die Körperformen eine sehr untergeordnete Rolle gespielt haben. Während die Materialien und der Umgang mit ihnen etwas sehr Wesentliches gewesen ist (…). Für mich ist das Material eigentlich sehr sekundär und ich arbeite jetzt überhaupt ohne irgendwelche Dinge (…). Es kommt mir lediglich auf die physisch-körperliche Expression an.“ (Arnulf Rainer, Noch vor der Sprache. In: Arnulf Rainer, Hirndrang. Hrsg. von Otto Breicha, Verlag Galerie Welz Salzburg 1980, S.100)

1951-1960
Im März 1951 findet die erste (und einzige) Ausstellung der „Hundsgruppe“ in den Räumen der Wiener Gesellschaft für Wissenschaft und Kunst statt. Bei der Eröffnung kommt es zu einem regelrechten Kunstskandal: Rainer, der sich damals „TRRR“ nannte, startet voller Enttäuschung über die Eröffnungsrede von Ernst Fuchs eine spontane Publikumsbeschimpfung. Rainer wendet sich bald nach der Ausstellung von der Phantastik ab und startet erste Versuche, mit geschlossenen Augen zu arbeiten (Blindmalerei).

Im Sommer 1951 reist Arnulf Rainer gemeinsam mit Maria Lassnig nach Paris, um André Breton – den „Vater des Surrealismus“ – kennen zulernen, der sie in ihren Erwartungen aber enttäuscht. Hingegen begeistert sie eine andere neue Kunstrichtung: l’art informel. Bewegt durch diese Arbeiten wendet sich Arnulf Rainer endgültig von seinen surrealistisch-figurativen Anfängen ab und kommt erstmals zu jenen abstrakten Bildformen, die er als „Mikrostrukturen“ und „Atomisationen“ bezeichnet. Von den „Mikrostrukturen“ aus entwickelen sich dann die sogenannten „Zentralisationen“ und „Zentral- und Vertikalgestaltungen“ (sparsame, nur aus wenigen Strichen zusammengesetzte Zeichnungen). Aus Materialmangel begeht Arnulf Rainer in dieser Zeit auch seine ersten Übermalungen von fremden Bildern.

Zwischen 1953 und 1959 lebt Arnulf Rainer als Asket in der möbellosen, verlassenen Villa seiner Eltern in Gainfarn, Niederösterreich. Dort beginnt er die „Reduktionen“, eine Werkgruppe aus strengen monochromen Schwarzbildern mit linear-geometrisch abgegrenztem Weißrest, die als Vorstufe zu den Übermalungen angesehen werden. 1953 lernt er in Wien den Domprediger Monsignore Otto Mauer kennen, der später die Galerie nächst St. Stephan gründet, die sich als der Treffpunkt für die österreichische Avantgarde entwickelt.

Rainers Konzentration gilt von nun an (bis ca. 1965) seinen Übermalungen. Dabei experimentiert er mit unterschiedlichen Formen der Bildträger. Es entstehen runde Bilder, aber auch die Kreuzform werden mitein bezogen. Am 17. September 1959 gründet Arnulf Rainer gemeinsam mit Ernst Fuchs und Friedensreich Hundertwasser das „Pintorarium“, als „Creatorium zur Einäscherung der Akademie“. Das Pintorarium bleibt bis 1968 bestehen.

1929-1950
Arnulf Rainer wird am 8. Dezember 1929 in Baden bei Wien geboren. Zwischen 1940 und 1944 besucht er die Nationalpolitische Erziehungsanstalt in Traiskirchen, Niederösterreich. Er malt im Zeichenunterricht von Luftaufnahmen inspirierte, kartographische Landschaften mit Bombentrichtern, Bränden, Panzern und Flugzeugen; und vermeidet Figuren und Gesichter. Weil er von seinem Lehrer gezwungen wird nach der Natur zu zeichnen verlässt Arnulf Rainer 1944 die Schule und beschließt Künstler zu werden.

1945 fllüchtet er vor den russischen Besatzungssoldaten auf einem Fahrrad nach Kärnten zu Verwandten, wo in den kommenden Jahren eine Serie von menschenleeren Landschaften entsteht. Bis zur Matura besucht Arnulf Rainer die Staatsgewerbeschule (Baufachschule) in Villach und entdeckt bei einer Ausstellung des British Council in Klagenfurt 1947 die internationale zeitgenössische Kunst (Paul Nash, Francis Bacon, Stanley Spencer, Henry Moore). Rainer beschäftigt sich daraufhin auch mit den surrealistischen Revolutionstheorien und wird davon stark in seiner Arbeit beeinflusst. Insbesondere das Moment der freien Phantasie faszinierte ihn besonders nach den diktatorischen Erfahrungen der nationalsozialistischen Erziehungsanstalt.

Trotz fehlender Motivation maturiert Rainer 1949 mit gutem Erfolg an der Staatsgewerbeschule Villach. Er besteht anschließend die Aufnahmsprüfung für Graphik an der Akademie für angewandte Kunst in Wien, verlässt jedoch die Klasse am selben Tag aufgrund einer künstlerischen Kontroverse mit dem Assistenten Korunka. Er bewirbt sich auch an der Akademie der bildenden Künste in Wien (Malerei-Klasse), verlässt auch diese Klasse drei Tage nach bestandener Aufnahmsprüfung, da seine Arbeiten als entartet bezeichnet werden.

Anfang der 1950er Jahre entwickeln sich in Wien ausgeprägte spätsurrealistische Tendenzen, die später als „Wiener Schule des phantastischen Realismus“ zusammengefasst werden. Von diesen Tendenzen beeinflusst, schafft Arnulf Rainer in selbst surreale Zeichnungen, lehnt sich aber zunehmend gegen den „Art-Club“ Ästhezismus auf. Er gründet mit Ernst Fuchs, Anton Lehmden, Arik Brauer, Wolfgang Hollegha und Josef Mikl eine eigene Gruppierung: die „Hundsgruppe“.

(Text: Arnulf Rainer Museum)

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