ISIK Hüseyin – 50

  • Titel:
    Der Krieg geht weiter liebe Katze
  • Entstehungsjahr:
    2016
  • Technik:
    Acryl, Acrylstift auf Leinwand
  • Format:
    18 x 24 cm
  • Signatur:
    sign.
  • Rufpreis:
    € 280
  • Aus der Serie:
    Der Krieg geht weiter liebe Katze

Hüseyin Isik (49) → Hüseyin Isik (50)

Hüseyin Isik
geb. in Kurdistan
lebt und arbeitet in
Zurndorf/Burgenland und Wien

hueseyinart.com

Hüseyin Isik oder der kontrollierte Zufall
Vier Elemente beherrschen das Leben –
Feuer, Regen, Wind und Erde.
Jahre später habe ich sie ergänzt.
Ich wurde Anfang der 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts in einem kleinen kurdischen Dorf geboren, wann genau weiß ich nicht.
Die ganze Familie emigrierte kurz darauf nach Istanbul. Bevor ich zur Volksschule ging, entstand meine erste Zeichnung an der Wand, und ich bekam meine erste Ohrfeige dafür. Von diesem Moment an begann ich überall, mit allem, was mir in die Finger kam zu zeichnen und handelte mir noch mehr Ärger ein.
1975 wurde meine erste Kurzgeschichte veröffentlicht, ein Jahr später meine erste Karikatur. Ich begann damals als Karikaturist für verschiedene Zeitungen zu arbeiten. In der Türkei herrschte Bürgerkrieg, der im faschistischen Militärputsch von 1980 gipfelte. Alles war verboten – sprechen, denken, lesen, zu zweit spazieren gehen, … damals begann ich an der Universität für Angewandte Kunst Graphik zu studieren. Als Karikaturist und Zeichner war ich sowohl für große Tageszeitungen als auch für verbotene Zeitschriften tätig.
Im Jahre 1984 nahm ich gemeinsam mit anderen Karikaturisten an einer Wanderausstellung gegen die Todesstrafe teil. Der Erfolg dieser Ausstellung ließ noch 16 Jahre auf sich warten – als die Türkei die Todesstrafen abschaffte.
1988 kam ich nach Wien – in eine andere Welt mit anderen Menschen und einer anderen Realität, in ein balkanisiertes Mitteleuropa mit türkischem Kaffee. Ich stellte mich der Zeit zur Verfügung, zu jeglicher Verwendung.
Ab Mitte der 1990er Jahre stellte ich regelmäßig zu den Themen Identität, Rassismus, Fremdsein aus. Ich entwickelte eine Liebe zu öffentlichen Räumlichkeiten – zu Straßen, Gassen, Plätzen, Krankenhäusern, Universitäten, Volksschulen, Theatersälen, U-Bahnen, Bibliotheken, Bahnhöfen, Bussen, Baustellen, … und zu einer anderen Art von Erzählungen. Die Stadt entdecken, dunkle Seiten zum Leuchten bringen, Frühstück als Kunst genießen – zu dieser Zeit war alles unter meiner Kontrolle, nur ich war außer Kontrolle.
Ich war Polizist bei der Ausweiskontrolle, brachte Skulpturen mit Sprengstoff zur Explosion, ermordete Kerzen durch den Entzug von Sauerstoff, errichtete Grenztore auf freiem Feld, brachte Bilder um für eine poetische Gerechtigkeit, ersteigerte zum Tode verurteilte Menschenrechtsaktivisten für die Freiheit, schrieb Chatprogramme ohne Strom und Kabel, nur mit Papier und Stift,…
Seit zehn Jahren darf ich nicht in die Türkei, weil ich vergessen habe, meinen Militärdienst zu leisten .
Nun sitze ich unter meinem Baum, koche Kaffe für meine Nachbarn…
Den oben stehenden Text hat mir mein Zwilling ins Ohr geflüstert. Ich habe ihn nur aufgeschrieben.

Related Entries
© Copyright 1993 – 2018: Asyl in Not – Unterstützungskomitee für politisch verfolgte AusländerInnen.