DEU Diana – 61

  • Titel:
    Glaube, Liebe, Hoffnung
  • Entstehungsjahr:
    2012
  • Technik:
    Acryl Bleistift, Tusche, Lack, Folie, Sand, Collage auf Leinwand
  • Format:
    70 x 50 cm
  • Signatur:
    sign.
  • Rufpreis:
    € 400

Andrea Heyer (63) → Diana Deu (61,62)

Diana Deu
geb. 1973 in Graz
dianadeu.com


Raufende Lackschichten
Diana Deu platziert kritische Herde auf und unter der Bildoberfläche – Ein Mittel der Dekonstruktion und der inhaltlichen Hinterfragung

Diana Deu will, dass auf ihren Leinwänden noch etwas passiert – im nachhinein. Wenn Lack mit Lack zu raufen beginnt oder auftapeziertes Papier von der Seite anpöbelt, bricht die Oberfläche auf, entstehen Risse, werden Schichten zu Tage befördert, die vorher unsichtbar und zugedeckt waren.
Deus Bilder sind nicht fertig. Sie arbeiten weiter. Sie entwickeln sich, ebenso wie ihre Protagonisten: Popkultur-Idole der 1950er und 1960er Jahre, deren spiegelnden Oberflächen sie Kratzer versetzt oder übernächtigte Teens und Twens, die sich Retro-Popkultur als Fashion-Accessoire überstülpen.
Mit Tusche, Lack und Bleistift, mit Acryl, Filzstift und Aquarell arbeitet Deu an der Vielschichtigkeit dieser Charaktere. Sie rekonstruiert grafisch, malerisch oder collagierend an den unterschiedlichsten Ebenenen dieser Selbstinzenierungen. Deu fertigt Porträts vo popkulturellen Ikonen und jenen, die sich an deren Oberflächen orientieren, um dann zu fragen: Wie viel ist davon echt?
Was steckt wirklich dahinter?
Malerei, Zeichnung, Schrift und Collage treffen auf der Leinwand im harmonischen Nebeneinander und in konkurrierender Überlappung zusammen. Dennoch agieren alle Elemente parallel zur Bildfläche, funktionieren additiv. Eine Annäherung an eine fremde Identität, die sich spielerisch zusammenfügt. Etwa so wie ein Puzzle von dem man nicht weiß, wieviele Teile es letztendlich besitzt. Dieses Zusammenstecken ähnelt ein wenig den Identitätsprofilen der Generation web 2.0 – wie etwa in MySpace oder Facebook, wo das soziale
netzwerken ebenso zum Image-Tuning gehört, wie Fotos, Sprüche und Sound-Tapete. Dem Aufpolieren und Zurechtzimmern in parallelen Schichten, möchte Deu in der Vertikalen, in den Rissen Wahrheiten abringen. Ihr formales Aufbrechen von Oberflächen wirkt im Inhaltlichen fort: Arbeitet dort subtil und effektiv gegen den schönen Schein.
Deu bleibt bei all dem im Hintergrund – wie im Alltag hält sie sich raus, beobachtet und hört zu. Vor der Leinwand vermengen sich Gesichter und Geschichten mit Musik, die rund um die Uhr Deus Leben bestimmt. Sie heften sich an Songtexte und andere Zitate, die als Initial in die
Titel – ihrer Bilder übergehen: „Sorry, Miss Stupid“ oder „I get violent when I’m fucked up“ (beide 2007). Die Annäherung an die fremden Gestalten, das Kratzen an deren ‚Dahinter’ war Deu aber irgendwann zu weit weg von ihr selbst. Über Bilder von ihren Freunden – Momentaufnahmen aus musikbestimmten, nächtlichen Streifzügen – näherte sie sich mehr und mehr dem Eigenen an. Bis nun in ihrenjüngsten Bildern sie selbst zur Mitspielerin und auch Protagonistin ihrer Leinwandgeschichten wird.

Die distanzierte Beobachterin ist sie dabei aber geblieben. Nach wie vor setzt sie die Elemente – Motive aus Pop und Punk, aus geborgten Inszenierungen und Biografischem – impulsiv und spielerisch nebeneinander. Deu setzt die Schichten übereinander und weiß zwar wo etwas aufreißen wird, die Effekte sind aber auch für sie überraschend. Diese kontrollierte Unberechenbarkeit ihrer Technik trickst also auch Deu selbst aus und spuckt ihr Ebene für Ebene, Schicht für Schicht verschüttete und ignorierte Identitätsbrocken vor die Füße: Zur Überprüfung der eigenen Authentizität, zur Selbstbefragung.
„I get along“ heißt eine dieser privateren Bilder, die sie nun auch mit eigenen Lyrics füttert. Ich komm schon klar, richtet sie aus, um für das, mit dem klar zu kommen ist, in Bild und Text ein Rezept zu offenbaren: „You’re better off just having a laugh – getting pissed – and forgetting all about it“. Doch die pinkfarbenen Sprühlack-Lettern verschwimmen im gleichfarbigen Blümchendelirium. Zorniger und auch im Format wuchtiger hingegen „And you have killed me“. Dessen Motto breitet sich auf der Leinwand aus und konterkariert gemeinsam mit der von Gipsbinden gerahmten Mittelfinger-Gebärde das idyllische Bild von Zweisamkeit.
Deu hinterfragt auch ihr künstlerisches Selbstverständnis, ihre Identität als Künstlerin: „I am not an artist“ so die spontane und wütende gesprayte Geste, deren Kritik in Richtung Kunstmarkt zielt.
Text: A.K. Fessler

2010
Auslandsaufenthalt zu Studienzwecken in Berlin (D) und London (UK)
2002
Diplom an der Akademie der Bildenden Künste, Wien (A)
1997-2002
Akademie der Bildenden Künste, Wien (A)
bei Professor Markus Prachensky und Professer Walter Obholzer
1989-1994
HTL Ortweingasse, Abteilung Dekorative Gestaltung, Graz (A)

Stipendien/
Förderungen: Förderungspreis des Landes Steiermark, Neue Galerie, Graz (A)

Ausstellungen/ Einzelausstellungen:
2009
“I’m not an artist”, Galerie Michaela Stock, Wien (A), (Katalog)
2006
“Plutzer Projekt”, Remixed, Wien (A)
2005
Nono Quartier, Wien (A)
“Footballs coming home”, 6pack Gallery, Wien (A)

Gruppenausstellungen:
2011
“Croatia-Austria-Return”, Museum of Modern and Contemporary Art,
MMSU Mali salon, Rijeka (HR)
2009
“wahlverwandtschaften – renerated”, Galerie Michaela Stock, Wien (A), (Katalog)
mit Sabine Groschup, Stephanie Guse, Claudia-Maria Luenig und Christiane Spatt
2008
“Triplet”, Galerie Michaela Stock, Wien (A)
mit Antea Arizanovic und Steven D. Gagnon
Zip Zone Salon, Paris (F)
2007
“Punk – A directory of Modern Sub-Versive Culture”, Ada Street Gallery, London (UK)
“Pure Patterns”, Kunsthof, Wien (A)
“Diskonta/2″, IG Bildende Kunst, Wien (A)
2006
“ST/A/R Auktion”, MAK Museum für Angewandte Kunst, Wien (A)
“Wettbewerbsausstellung”, Neue Galerie, Graz (A), Förderungspreis des
Landes Steiermark
“Where the wild roses grow”, Project space Wirr, Wien (A)
mit Sula Zimmerberger
“Endstation Vorstadt”, Heizhaus Stammersdorf, Wien (A) mit Maria Handl,
Andrea Heyer, Ewa Kaja, Karin Maria Pfeifer, Letizia Werth, Sula Zimmerberger u.a.
The Music Room, London (UK)
2005
“Das beste billig – the best cheap”, Osei, Wien (A)
2004
“Flüchtig daheim”, Soho in Ottakring, Wien (A)
2003
“That’s new!”, IG Bildende Kunst, Wien (A)
2002
“Diplomausstellung”, Akademie der Bildenden Künste, Wien (A)

Kataloge/Publikationen:
2009
“Wahlverwandtschaften – regenerated”, Ausstellungskatalog,
Galerie Michaela Stock, Wien (A)
“I’m not an artist”, Ausstellungskatalog, Text: Anne Katrin Fessler,
Galerie Michaela Stock, Wien (A)

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