AIGNER Uli – 90

geb.1965 in Gaming
lebt und arbeitet in Berlin
uliaigner.net

EINE MILLION PORZELAIN www.eine-million.com

90 AIGNER IMGP0903

 

“THE SHAPE OF TIME”

Das Töpfern ist eine hochkonzentrierte Angelegenheit. Die Gewissheit, aus einem Stück feuchter Erde einen Gebrauchsgegenstand machen zu können, den jeder immer und überall auf der Welt brauchen kann, verbindet uns mit der gesamten Entwicklungsgeschichte der Menschheit.

Die Gefäße decken den gesamten Bedarf an Essgeschirr für einen Haushalt ab. Becher, Schalen, Schüsseln, Kannen, Platten und Zubehör wie Eierbecher, Siebe, kleine Löffel, etc. Die Nummerierung bleibt konsequent chronologisch fortlaufend. Bricht ein Gefäß in der Herstellung, wird es nicht ersetzt. Das gebrochene Gefäß behält seine Nummer und seinen Platz in der fortlaufenden Reihe. Jedes Stück ist ein Unikat, belegt durch die eingravierte Nummer. Diese Nummer ist auch der Garant für die strenge chronologische Produktion der einzelnen Gefäße. Der Verkauf einzelner Porzellane und ganzer Service ermöglicht auch das Verschenken oder Tauschen der Gefäße. Die Porzellangefäße, die sich weltweit verteilen, verleihen den unterschiedlichsten Personen und Orten eine Gemeinsamkeit.

Mein Ziel ist es, international Orte und Menschen aus allen Schichten einer Gesellschaft zu involvieren. Vom First Class Hotel bis zum Rumänischen Waisenhaus, vom Langhaus in Borneo bis zum Kulturzentrum in Inuvik. Durch den Kauf der einen Gruppe wird das Schenken an eine andere Gruppe ermöglicht.

Was bedeutet es, heute “etwas” zu produzieren und wohin geht das, was wir produzieren/tun? Kunstproduktion versus Produktion von Gebrauchsgütern? Welche Formen von Bezahlung gibt es heute? Wer bezahlt was für wen? Wie entsteht Wert, wer definiert diesen und wer bezahlt wieviel für ein und dieselbe Sache? Was genau wird bezahlt? Ideelle Werte oder Gebrauchswerte, Materialwerte? Was ist wo mehr wert und wieso?

Durch mein Projekt Eine Million, und durch die Dokumentation der Verbreitung der Gefäße, wird eine sichtbare Spur quer durch die globale Gegenwart gelegt. Die Zusammenhänge und Zusammengehörigkeit zwischen unterschiedlichsten gesellschaftlichen Bereichen, Orten und Menschen werden offensichtlich.

Uli Aigner, Berlin, Juni 2015
“The Shape of Time” von George Kubler, 1962, Yale Universität

Uli Aigner wurde 1965 in Österreich geboren. Nach ihrer Töpferlehre, mit dem Gesellenbrief als Abschluss, studierte sie Produktdesign bei Matteo Thun an der Universität für Angewandte Kunst in Wien, Diplom mit Auszeichnung (1990). Anschließend studierte sie Digitale Bildgestaltung bei Prof. Thomas Hägele an der Filmakademie Baden-Württemberg. Seit den 90er Jahren umfassen ihre Arbeiten Videos, Performances, Rauminstallationen, großformatige Buntstiftzeichnungen und Porzellanobjekte, die in renommierten internationalen Museen, Institutionen und Galerien gezeigt werden. Ihre Gastprofessur an der Akademie der Bildenden Künste München (2001-2003) setzte einen neuen Fokus in ihrer Arbeit. Daraus resultierend, leitete sie von 2006 bis 2010 die Städtische Kunsthalle München – Lothringer 13.
Seit 2011 lebt Uli Aigner mit ihrer Familie in Berlin und widmet sich ihrer eigenen künstlerischen Produktion.

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