04 Nina Rike Springer

  • Titel:
    Protzige Abschirmung
  • Entstehungsjahr:
    2010/11
  • Technik:
    C-Print hinter Acryl kaschiert, Rahmen 90 x 60 cm (92 x 62 cm) 1/1 (Prototyp aus der Serie Human Processors)
  • Format:
    90 x 60 cm (92 x 62 cm)
  • Signatur:
    rückseitig
  • Rufpreis:
    € 800
  • Aus der Serie:
    Prototyp aus der Serie Human Processors

geb. 1976 in Klagenfurt
lebt und arbeitet in Wien
ninaspringer.com

2012
Lektorin an der Universität für angewandte Kunst
2007
Diplom mit Auszeichnung bei Gabriele Rothemann, Universität für angewandte Kunst
2004 / 2005
Studienaufenthalt an der Bauhaus Universität, Weimar
2001
Beginn Studium der Fotografie bei Gabriele Rothemann, Institut für Bildende und Mediale Kunst, Universität für angewandte Kunst Wien

Schöne neue Welt

MITSPIELENDE

Uniformierte Personen(gruppen): hinten geknöpfte weiße Mäntel, die an Laborbekleidung erinnern, weiße Anzüge und weiße Bademützen – nicht das Individuum, sondern eine Variable für ein beliebiges Individuum gelangt zur Darstellung.Wie auf Anweisung oder zumindest aus Routine führen die so neutralisierten Figuren gleichförmige Handlungen aus. Sie folgen bestimmten Bewegungsmustern oder bilden Formationen, sind dabei einander zugewandt, als würden sie sich besprechen, wenn sie auch schweigsam wirken, verharren in dieser Konstellation, um sich in Folge wieder langsam aufzulösen, um eine neue Ordnung anzunehmen.Einige sind herausgehoben, ihre Bewegung ist in einer Pose stillgestellt, die wirkt, als sei sie die Akkumulation einer Bewegungsfolge. Die Körper sind angespannt und konzentriert, wie in Vorbereitung zum Absprung. Reifen und Schläuche bedingen manche Haltungen, die jedoch stets assoziativ bleiben.

DER HANDLUNGSRAUM

Geometrisch gegliederte flache Raumbühnen, die an El Lissitzkys Proun-Konzept denken lassen, dienen ihr dabei als Handlungsraum. Schwebende Flächen, Verbindungs- oder richtungsgebende Linien, Plattformen, Behältnisse, Hintergründe u.ä. können Wände andeuten, räumliche Relationen herstellen und auch konkrete Funktionen übernehmen, wollen aber nicht zu gegenständlich werden, sondern immaterielle Elemente bleiben, die die Akteurinnen umspielen und akzentuieren.

Das war nicht immer so: in „Human Processors“ (2010-11) etwa haben die Formen die Protagonistinnen regelrecht in ihre Posen gezwungen oder zumindest eine Wechselwirkung zwischen Körpern und Formen veranlasst. Und einer der neuen Titel, „Triade“ ruft nicht umsonst Oskar Schlemmers „Triadisches Ballett“ in Erinnerung und damit die Assoziation mit dem von starren Kostümen in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkten Körper oder im übertragenen Sinn, der von Fließbandarbeit, Bürokratie und Massengesellschaft „bedrängte“ Körper , wie in Schlemmer vor Augen hatte. Sein Ballett war in dieser Hinsicht vergleichbar: eine „optische Komposition“ aus mechanischen Bewegungen ohne Handlung.

DER CODE

Nina Rike Springer arbeitet mit einem Zeichensystem aus Figuren bzw. Posen. Sie sind aus alltäglichen Verrichtungen abgeleitet, aber doch so diszipliniert, als wären sie die ultimativen Äußerung einer bestimmten Handlung. Gleichzeitig sind sie abstrakte Zeichen. Sie wollen sich keiner konkreten Deutung beugen, aber deuten manchmal Befindlichkeiten, wie Erschöpfung und Aufbruch an.

Die im Studio aufgenommenen Posen werden zum Vokabular, mit dem Nina Rike Springer ihre schöne neue Welt beschreibt. Lissitzkys „Proun“ war eine Wortschöpfung, mit welcher er, „eine Station auf unserem Wege zu neuen Formen“ beschreiben wollte, Nina Rike Springers Figurensystem bevölkert nun eine solche neue Welt der Formen. Die Verwendung des Körpers als Zeichen reicht in die frühesten Serien zurück. Auch die Badehaube als Uniform für den Kopf ist von Anbeginn dabei: auf einem Flohmarkt erstmals in orange und blitzblau erstanden, ist sie seither ständige Begleiterin.

Text: Ruth Horak

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